Das Wort Neuland handschriftlich dargestellt, es beschreibt das Gefühl bei der erste Dialyse
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Die erste Dialyse im Heimatzentrum

3. April 2018

Das erste Mal Dialyse außerhalb des Krankenhauses war absolutes Neuland für mich und auch etwas aufregend. Morgens um kurz nach sechs holte mich der Krankentransport ab und fuhr mich in das Dialysezentrum. Das Zentrum hat insgesamt sechs Zimmer und in den meisten davon liegen auch sechs Patienten. Eine der Dialyseschwestern stellte sich erst einmal vor und wies mir ein Bett zu. Nach einer Weile wurde ich dann punktiert, an die Dialyse angeschlossen und gefragt was ich denn zum Frühstück möchte. Ich entschied mich für Käsesemmel und hoffte diese runterzubekommen (Stichwort Geschmacksstörungen)

 Ablauf in der Dialyse

In so einem Zentrum läuft quasi alles immer nach dem gleichen Schema ab. Ein Patient nach dem anderen wird an die Dialyse angehängt und jeder bekommt sein Frühstück, Mittag- oder Abendessen (je nachdem in welcher Schicht man ist). Danach wird die Visite gemacht und schließlich, nach vier oder fünf Stunden, wird man wieder abgehängt. Dann wartet man auf den Transportdienst und wird nach Hause gefahren.

Vorteil gegenüber der Dialyse im Krankenhaus ist, das du zu 90% immer dasselbe Bett hast, die Dialyseschwestern kennst und mit den Mitpatienten sozusagen eine “Leidensgemeinschaft” bildest. In meinem Dialysezentrum gab es sogar für jedes Bett einen eigenen kleinen Fernseher. Das ist wirklich Luxus, wenn du 4 Stunden ruhig im Bett liegen musst. Mit der Zeit lernt man die Leute dort besser kennen und schließt sogar Freundschaften.

 

Meine persönlichen Erfahrungen im Dialyse-Zentrum

  • Das Essen dort und auch in allen anderen Zentren in denen ich war, würde ich jetzt nicht als kulinarisches Highlight bezeichnen. Deshalb habe ich mir nach einiger Zeit eigenes Essen mitgebracht.
  • Um es bequemer zu haben, habe ich mir zusätzlich zu dem vorhandenen Kissen noch ein eigenes mitgebracht.
  • Da mir während der Dialyse oft kalt war, hatte ich auch noch ein Heizkissen von daheim mitgenommen.
  • Obwohl alle Schwestern dort gleich gut ausgebildet waren, gab es einige die besser mit dem Punktieren meines Shunts klar kamen als andere. Es gab sogar einige die sich weigerten mich zu punktieren, weil bei meinem Shunt relativ schwierig war. So war mir das auch ehrlich gesagt lieber, als wenn es jemand versucht, obwohl er weiß, dass er kann es nicht.
  • Da jeder Dialysepflichtige wirklich viel Zeit an der Dialyse verbringt, sollte der Patient es sich auch so angenehm wie möglich machen. Keiner hat etwas dagegen, wenn man sein eigenes Kissen, seine Lieblingsdecke, seinen Laptop oder ähnliches mitbringt.

 

Wer Dialyse verstehen will, muss nachfragen

Die ganzen Vorgänge während der Dialyse sind für jeden Menschen anfangs neu, scheinen kompliziert und undurchsichtig. Wenn man aber nachfragt, sind die meisten Schwestern bereit, die Vorgänge zu erklären. Ich finde es besonders wichtig zu wissen, was während der Dialyse im Körper passiert. Wie die Maschine funktioniert und wie ich zum Beispiel meinen Shunt pflege. Die meisten Patienten die ich erlebt habe, wollten von all dem nichts wissen. Sie haben quasi alles über sich ergehen lassen. Das kann ich persönlich überhaupt nicht nachvollziehen. Ich möchte wissen was Sache ist, um kritisch nachfragen zu können. Es ist schließlich mein Körper und mein Leben.

Sicherheit durch Wissen

Als ich damit angefangen habe, mich näher mit dem ganzen Thema zu beschäftigen, ging es mir wesentlich besser damit. Ich war auch nicht mehr davon abhängig alles zu glauben, was mir ein Arzt oder die Schwester erzählt hat. In der heutigen Zeit kann man sich wirklich gut informieren. Ich habe viel im Internet gesucht, war aber mit meinen Recherchen nicht zufrieden. Darum legte ich mir ein Lehrbuch für Dialyseschwestern zu: “Fachpflege Nephrologie und Dialyse”. Aus meiner Sicht ein wirklich gutes Buch, das auch für Laien wie mich hervorragend geeignet ist. Es hat mir das ganze Thema Niere, Nierenversagen und Dialyse wesentlich näher gebracht. Als ich mich schließlich dazu entschlossen hatte, Heimdialyse zu machen, wurde ich sogar zu meiner eigenen Dialyseschwester.

Ich kann nur wirklich jedem empfehlen, sich zu informieren oder sogar selbst Heimdialyse zu machen. Wenn du mehr darüber erfahren willst, lese meinen Blogbeitrag über Heimdialyse oder schreib mir eine Nachricht. Ich teile mein Wissen gerne!

 

 

 

 

 

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