Ein Aufgabe und gebraucht zu werden heilt.
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Gebraucht werden heilt!

17. Mai 2018

Wie ich euch im vorletzten Artikel beschrieben habe, fing ich an ein klein wenig bei meinem Freund die Unterlagen zu sortieren. Mit der Zeit war nicht nur das möglich, sondern ich konnte auch für meine Schwester eine wichtige Aufgabe übernehmen.

Wenn das Kind keinen Krippenplatz bekommt

Meine Schwester war zum Zeitpunkt meiner Transplantation im sechsten Monat schwanger und brachte  im Juni einen gesunden Jungen zur Welt. Nach einem Jahr wollte und musste sie ihre Arbeit, wenn auch erst Teilzeit, wieder aufnehmen. Leider hatte sie, wie so viele Familien heutzutage, keinen Betreuungsplatz für ihren Einjährigen bekommen. Nur allzu gerne übernahm ich diese Aufgabe. Für mich gibt es nichts Wichtigeres als die Familie und immer wenn ich kann, springe ich ein.

Wie in meinem alten Job

Ich übernahm also ab Juni die Betreuung des kleinen Julius und fühlte mich damit wirklich gut. Da ich jahrelang als Erzieherin gearbeitet habe, fühlte sich das an, wie in meinen alten Job. Nur noch besser, schließlich war es Familie. Ich ging um ca. sieben Uhr früh, die 500m von meiner zu ihrer Wohnung und übernahm beide Kinder. Zusammen frühstückten wir  und dann gingen wir zusammen in den Kindergarten. Dort war Toni, die Große, untergebrachte. Wiederzuhause mit Julius war meistens ein bisschen spielen angesagt und dann schon der Vormittagsschlaf.

Bewusst Auszeiten nehmen

Nicht selten habe ich diese Zeit auch für ein kleines Nickerchen genutzt. Es war mir immer wichtig mit meinen Kräften zu haushalten. Eine Überforderung wollte ich auf keinen Fall. Mein Ziel war es eher, wieder fitter zu werden. Nach dem gemeinsamen Mittagessen machten wir mit den Hunden einen Spaziergang und dann kam schon meine Schwester um zu übernehmen. Auch als Julius dann einen Krippenplatz bis 14.00 Uhr bekommen hat, sprang ich weiterhin ein und holte ihn von dort ab, brachte ihn nachhause, ging mit den Hunden Gassi und wartete auf Mama oder Papa.

 

Eine Aufgabe haben und gebraucht werden heilt

Durch diese wichtige Aufgabe bin ich wieder ein Stück mehr ins Leben zurückgekommen. Ich habe ja schon beschrieben, dass ich nicht der Mensch bin, der daheim rumsitzen möchte. Ich möchte herausfinden was ich mit meiner Krankheit für Möglichkeiten habe und diese dann nutzen. Das ist essentiell für mich und ich bin mir auch ganz sicher für meine Heilung. Natürlich war dies nicht leicht und nach der „Arbeit“ war ich auch meistens fix und fertig. Aber die seelische Befriedigung wog einfach mehr. Wenn ich danach frei hatte, also keine Dialyse mehr anstatt, machte ich wirklich nichts mehr. Ich entspannte bewusst und gab meinem Körper die wichtige Zeit zur Regeneration.  Oder ich fuhr eben zur Dialyse und versuchte dort abzuschalten. Leider gelang mir das nicht immer, aber das ist ein anderes Thema.

Wenn du nicht mehr kannst, wie du willst

Wenn du dich in der gleichen Situation befindest, krank bist und deinen Job nicht mehr wahrnehmen kannst, gib dich nicht auf! Finde heraus was du stattdessen gerne machen möchtest. Denk ruhig mal darüber nach, was du machen würdest wenn du nicht krank wärst, aber auch nicht arbeitet müsstest. Was würdest du mit deiner Freizeit anfangen. Der eine möchte vielleicht gerne ein neues Hobby lernen oder ein Altes wieder aufnehmen. Ich habe zum Beispiel angefangen bei der VHS Italienisch zu sprechen. Außerdem habe ich mit den Videos von Pattydoo nähen gelernt. Der andere möchte vielleicht trotzdem einer „richtigen Arbeit /Aufgabe“ nachgehen.  Das sind alles berechtigte und wichtige Wünsche. Schreib sie dir auf! Versuche sie umzusetzen! Wenn du selber keine Idee hast, wie du diesen Wunsch umsetzen kannst, dann frag deine Familie oder Freunde. Oder schreibe mir eine Nachricht! Gemeinsam kommt man oft auf ungewöhnliche, aber richtig gute Lösungen.

 

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