Wer zahlt die Kosten der Nierenlebendspende
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Nierenlebendspende – Wer zahlt das eigentlich alles?

5. August 2018

Die Nierenlebendspende verursacht Kosten und das nicht zu knapp. Du kannst es dir sicher vorstellen. Untersuchungen müssen gemacht werden, die Operation selbst wird durchgeführt, im Anschluss folgen Reha und vieles mehr. Für den Empfänger zahlt seine Krankenkasse. Wer aber zahlt die Kosten die der Spender „verursacht“?

Sozialgesetzbuch , fünftes Buch – Gesetzliche Krankenversicherung

Hier hilft ein Blick in den  §27 SGB V

(1a) Spender von Organen …… haben bei einer nach den §§ 8 und 8a des Transplantationsgesetz erfolgende Spende von Organen …..zum Zweck der Übertragung auf Versicherte (Entnahme bei lebenden Spendern) Anspruch auf Leistung der Krankenbehandlung. Dazu gehören die ambulante und stationäre Behandlung der Spender, medizinisch erforderliche Vor- und Nachbetreuung, Leistungen zur medizinischen Rehabilitation sowie die Erstattung des Ausfalls von Arbeitseinkünften als Krankengeld nach §44a und erforderlichen Fahrkosten …… Zuzahlungen sind von den Spendern nicht zu leisten. Zuständig für die Leistungen nach den Sätzen 1 und 2 ist die Krankenkasse der Empfänger von Organen.

Vereinfacht ausgedrückt…

alle Kosten die für den Spender bei einer Nierenlebendspende entstehen, muss die Krankenkasse des Empfängers übernehmen. Dazu gehören auch der Ausfall des Gehalts, die Fahrtkosten sowie Medikamente die der Spender nach der Transplantation nehmen muss. Matthias sollte bereits vor der Spende Blutdrucksenker nehmen. Diese muss also meine Krankenkasse zahlen.

Die Kosten der Nierenlebendspende sind im § 27 SGB V geregelt

Gut geregelt ist nicht gleich gut gemacht

Obwohl die Kostenübernahme also richtig gut geregelt ist, hatten wir mit diesem Thema nur Ärger. Es fing schon bei den Voruntersuchungen an. Nicht eine Arztpraxis wusste genau wie diese jetzt abzurechnen wären. In den unterschiedlichen Abrechnungssystemen gibt es dafür wohl irgendwo ein verstecktes Häkchen oder einen Abrechnungsschlüssel, aber keiner kennt sich damit wirklich aus. Matthias ist noch dazu Beamter, der gar nicht in der gesetzlichen Krankenkasse versichert ist. Dieser Umstand machte das Ganze noch schwieriger.

Kommunikation mit der Krankenkasse

Nachdem uns klar wurde, dass keiner eine Ahnung hatte, rief Matthias bei meiner Krankenkasse an. Auch dort stieß er auf Mitarbeiter, die mit dem Thema Nierenlebenspende überhaupt nicht vertraut waren. Bis er an eine Sachbearbeiterin kam, die Ahnung hatte, verging viel Zeit. Diese erklärte dann, dass er bei jeder Untersuchung meine Krankenversicherungskarte abgeben sollte. Damit wäre es den Arzthelferinnen dann möglich, eine korrekte Abrechnung zu erstellen. Wenn es Probleme gäbe, sollte er wieder anrufen.

Erfahrungen in den Arztpraxen

Matthias nahm also meine Krankenkassenkarte und gab sie jedes Mal bei der jeweiligen Praxis ab. Manche wussten dann zumindest, dass dies so in Ordnung ist. Aber nicht wie sie es jetzt abrechnen müssen. Andere Praxen waren total überfordert und verunsichert. Meistens wollten sie dann noch eine Krankenkassenkarte von Matthias. Ich nehme an, um dann die Untersuchung einfach dort abzurechnen und sich den ganzen Zirkus zu sparen. Da er aber wie gesagt gar nicht gesetzlich versichert ist, war dies nicht möglich. Eine Arzthelferin hat ihn sogar aus der Praxis rausgeschmissen, denn laut ihr wäre er ein Betrüger.

Ein weiterer Anruf bei der Krankenkasse

Daraufhin rief Matthias noch einmal bei meiner Krankenkasse an. Er schilderte die ganze schwierige Situation und sie einigten sich darauf, dass die Sachbearbeiterin bei den jeweiligen Praxen anrief. Danach funktionierte es ganz gut und die Untersuchungen konnten abschlossen werden.

Auf eine weitere Hürde trafen wir dann, bei den verschriebenen Blutdrucksenkern.

Medikamente müssen auch bezahlt werden

Obwohl  das Thema Nierenlebendspende in einer nephrologischen Praxis mit angeschlossener Dialyse nichts Unbekanntes ist, wusste auch hier niemand wie das Rezept für die Blutdrucksenker auszustellen ist. Die Erwartung der Praxis war, dass Matthias seine  Krankenkassenkarte auf den Tisch legt, die er ja nicht besitzt. Er brachte also meine Krankenkassenkarte mit und es sollte darauf abgerechnet werden. Allerdings mit seinem Namen. Wie du oben lesen konntest, muss er als Spender keine Zuzahlung zu Medikamenten leisten. Ich aber bin nicht befreit. Jetzt stand also auf dem Rezept meine Krankenkassennummer, sein Name und eigentlich keine Befreiung. Dieses Kästchen wurde einfach angekreuzt und er gab das Rezept so in der Apotheke ab.

Bisher hat es funktioniert.

Ich, er und auch die Praxis, ja nicht mal die Apotheke weiß bis heute, wie ein Rezept korrekt ausgestellt werden muss, damit es reibungslos funktioniert und dem Gesetz entspricht. Ich habe versucht diese Problematik auch direkt mit der Krankenkasse zu klären, mit dem Ergebnis, dass ich ca. fünfmal von verschiedenen Mitarbeitern zurückgerufen wurde. Wobei die ersten vier wiederum nachfragen mussten, worum es überhaupt genau geht und der letzte Anrufer mir dann erklärte, dass die Kosten zwar nicht von mir, aber vom Empfänger übernommen werden müssen. Das ist natürlich auch falsch! Aber was soll man sich länger darüber ärgern.

Noch mehr Ärger gab es mit der Krankenkasse

Zum einen war es wie schon angedeutet so, dass wir bei jedem Anruf jemand anderen am Telefon hatten. Und jedes Mal war es so, dass sich keiner mit dem Thema Nierenlebendspende und/oder Abrechnung auskannte. Bis wir endlich einen in der Leitung hatten, der uns auch weiter helfen konnte vergingen oft Tage.

Zum anderen wissen auch dort die wenigsten von der gesetzlichen Regelung, dass alle Kosten übernommen werden müssen. Nehmen wir zum Beispiel das Thema Fahrtkosten. Da doch etliche Untersuchungen anfielen, kamen auch einige Fahrtkosten zusammen. Im Normalfall werden diese nur dann erstattet, wenn sie notwendig sind. Die Kriterien dafür, ob es notwendig ist, stehen in den Vorgaben der Krankenkassen. Ein gesunder Spender erfüllt natürlich keinerlei dieser Kriterien, hat aber dennoch Anspruch auf Erstattung der Fahrtkosten.

Deutschland das Land der Formulare

Zu Beginn hatten wir die Fahrtkosten überhaupt nicht auf dem Zettel und haben uns deshalb erst nach der Transplantation darum gekümmert. Es stellte sich heraus, dass die Krankenkassen auf eine schriftliche Bestätigung der Arztpraxen bestehen und man vorgefertigte Formulare ausfüllen muss. Allerdings treffen diese Formulare in keiner Weise auf die Situation eines Nierenlebendspenders zu. Wir wussten einfach nicht, wie das Formular auszufüllen ist, damit es letztendlich genehmigt wird.

Wir holten von allen Ärzten die schriftliche Bestätigung ein und füllten die Formulare nach bestem Wissen aus. Natürlich bekamen wir eine Absage. „Da die Formulare nicht korrekt ausgefüllt sind, kann die Krankenkasse die Fahrtkosten nicht übernehmen.“  Das diese Formulare nicht zu unserem Fall passen war der Krankenkasse natürlich egal. Genauso wie der gesetzlich geregelte Anspruch.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Matthias rief bei meiner Krankenkasse an. Er geriet an eine Dame, die nichts über Nierenlebenspende und das Abrechnungsverfahren wusste. Was auch sonst! Er wies zunächst auf den gesetzlichen Anspruch hin, den er hat. Und erklärte ihr, dass die gewünschten Formulare gar nicht hergeben was in seinem Fall nötig wäre. Die Sachbearbeiterin wollte sich daraufhin erkundigen. Damit du eine Vorstellung davon bekommt, um welchen Zeitraum es sich handelt, hier ein kurzer zeitlicher Ablauf.

Nierenlebendspende war am 2. August 2017. Den Antrag auf Fahrtkostenübernahme haben wir nach Sammlung aller Unterlagen im Januar 2018 gestellt. Die Absage kam im März 2018. Zwei Wochen später war das beschriebene Telefonat. Am Freitag den 03. August 2018 haben wir den Brief erhalten, dass die Krankenkasse uns die Fahrtkosten jetzt doch zahlt. Es hat auch nur sieben Monate (nach Antragsstellung) dafür gebraucht. 😉

Unser trauriges Fazit zur Kostenübernahme bei Nierenlebendspende

Es ist ein Thema, bei dem sich alle Beteiligten dringend einarbeiten müssen und sollten.

Erschwert wird das Ganze dadurch, dass es für diesen Bereich keinen festen Ansprechpartner bei der Krankenkasse gibt. Anfangs hatten wir diesen noch. Leider wurde der personalisierte Kontakt abgeschafft. Dank Umstrukturierung oder Outsourcing. Jetzt muss alles über die Hotline, mit ständig wechselnden Bearbeitern, geklärt werden. Jeder der behauptet das wäre effizienter, lügt sich was vor. Es mag wirtschaftlicher sein, aber effektiv ist es sicher nicht. Warum kann es nicht einen Mitarbeiter geben, der sich nur um Lebendspender kümmert? Es wäre sich nicht nur für die Patienten, sondern auch für die Mitarbeiter einfacher.

Am schlimmsten aber finden wir, dass es zwar eine klare gesetzliche Regelung gibt. Wir aber trotzdem heftig angegriffen wurden, erhebliche Schwierigkeiten hatten und oft das Gefühl bekamen, dass uns Steine in den Weg gelegt werden. Ganz so als würden wir dies alles aus Spaß machen und hätten das Ziel uns Geld oder Untersuchungen zu ergaunern. Es wundert mich nicht, dass manche Menschen im Zusammenhang mit der Krankenkasse den Mut und die Hoffnung verlieren. Mein Rat, lass dich nicht unterkriegen und

Bei einer Nierenlebendspende braucht du vor allem mentale Stärke

 

 

 

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