Letzter Ausweg war der Demerskatheter im rechten Vorhof
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Letzter Ausweg – Demerskatheter

30. September 2018

Mein achter und letzter Shuntverschluss brachte eine größere Veränderung mit sich – den Demerskatheter.

Nicht mehr zu retten!

Beim achten Verschluss war mein Shunt einfach nicht mehr zu retten. Zu oft wurde er schon wiederhergestellt. Es blieb also nur die Möglichkeit eines neuen Shunts. Da wir zu diesem Zeitpunkt aber schon so gut wie sicher waren, dass die Nierentransplantation funktionieren würde, wollte ich dies nicht. Ich besprach mit den Ärzten also die Möglichkeit eines Demerskatheters. Nachdem klar war, dass ich diesen auch zur Heimdialyse verwenden konnte, entschied ich mich also für diese Variante.

 

Der Demerskatheter

Dieser Katheter besteht aus einem ein- oder doppellumiger Zugang. Diesen platziert der Arzt über eine Halsvene, meist rechts, im rechten Vorhof des Herzens. Das andere Ende tritt über die Grube unter dem Schlüsselbein durch die Haut aus. Um einen stabilen Halt zu garantieren, muss der Katheter dabei durch eine Dacron-Muffe geführt werden. Diese verwächst mit der Zeit mit dem Gewebe. Vorteil dabei ist, das die Muffe  außerdem auch die Gefahr von Infektionen deutlich reduziert. Die Anlage des Katheters wird meist unter örtlicher Betäubung gemacht. Ich hatte eine Vollnarkose, aber weiß ehrlich gesagt nicht warum. Nachdem alles gut lief, wurde ich nach zwei Tagen entlassen. Der alte verschlossene Shunt ist bis heute in meinem Arm geblieben.

Letzter Ausweg war der Demerskatheter im rechten Vorhof

 

Änderungen bei der Heimdialyse

Mit einem Demerskatheter ist der Anschluss an die Dialyse und das Abhängen grundsätzlich anders und auch im täglichen Leben ist einiges zu beachten. Da der Katheter wie beschrieben im rechten Vorhof des Herzens liegt, ist eine Infektion unter allen Umständen zu vermeiden. Daher sind folgende Maßnahmen bei jedem Kontakt mit dem offenen Katheter zu beachten:

  • Patient und Pfleger tragen einen Mundschutz sowie Handschuhe
  • Um Zugluft und Luftverwirbelungen zu vermeiden, sind alle Fenster und Türen für diese Zeit geschlossen zu halten
  • Der Patient liegt in Kopftieflage, also flach im Bett, um eine Luftembolie zu verhindern
  • NON-TOUCH-Technik verwenden. Das bedeutet, der Katheter selbst wir nur mit einer sterilen, getränkten Kompresse angefasst und nicht mit bloßen Handschuhen.

 

Bevor es losgeht, unbedingt das gesamte Material vorbereiten

Wie bei jeder Dialyse, ob mit Shunt oder Demerskatheter sollte das benötigte Material im Vorfeld schon hergerichtet sein. Anfangs ist es sinnvoll sich eine Checkliste zu machen um nichts zu vergessen. Für die Dialyse mit dem Katheter brauchst du folgendes:

 

Zum Anhängen

  • Desinfektionsmittel, das für den Katheter verwendet werden darf
  • Kompresse trocken, sowie sterile Kompresse mit Desinfektionsmittel getränkt für die NON-TOUCH-Technik
  • Sterile Unterlage
  • 2 Spritzen a 10ml (leer), um die Blocklösung vollständig zu entfernen
  • Evtl. 2 Spritzen a 10 ml mit NaCl gefüllt um den Katheter zu spülen
  • Klebeband zur Befestigung

 

Zum Abhängen

  • Desinfektionsmittel das für den Katheter verwendet werden darf
  • Kompresse trocken, sowie sterile Kompresse mit Desinfektionsmittel getränkt für die NON-TOUCH-Technik
  • Sterile Unterlage
  • neue Verschlusskappen
  • 2 Spritzen a 30 ml mit NaCl gefüllt zum Spülen des Katheters nach der Dialyse. (Da ich auch mit dem Demerskatheter immer wieder mit Verschlüssen zu kämpfen hatte, habe ich eher mehr gespült. Evtl. reicht auch eine kleinere Menge.)
  • 2 Spritzen mit der Heparin- oder Ciratlösung um den Katheter zu blocken.

 

Das Anhängen mit Demerskatheter

Nachdem du die oben genannten Maßnahmen getroffen hast und das Material vorbereitet ist, kannst du loslegen. Erst befreit man den Katheter vom Verband, desinfiziert ihn und legt ihn auf eine sterile Unterlage ab. Nun vergewisserst du dich, dass die Klemmen am Katheter geschlossen sind und entfernst dann die Verschlusskappen. Denke immer daran den Katheter nur mit den getränkten Kompressen zu berühren. Eventuelle Verunreinigungen kannst du durch eine weitere getränkte Kompresse entfernen.

 

Entblocken nicht vergessen

Um zu vermeiden, dass sich der Demerskatheter durch verklumptes Blut verschließt, wird er jedes Mal mit einer Heparin- oder Citratlösung geblockt. Diese musst du vor der Dialyse unbedingt entfernen. Dafür nutzt du die leeren 10 ml Spritzen, konnektierst diese mit den zwei Katheterschenkeln und aspirierst die Lösung. Dann kannst du den Katheter mit den Dialyseschläuchen verbinden und die Dialyse ganz normal startet. Den Aufbau und die Vorbereitung der Maschine kannst du hier nachlesen. Während der Dialyse habe ich den Katheter und die Dialyseschläuche locker in die Unterlage gewickelt und mit Pflasterstreifen an meinem Oberteil befestigt.

 

Letzter Ausweg war der Demerskatheter im rechten Vorhof

 

Nach der Dialyse

Natürlich musst du auch hier die oben genannten Vorsichtsmaßnahmen treffen. Dann desinfizierst du den Demerskatheter wieder und legst ihn auf eine sterile Unterlage. Es würde jetzt den Rahmen sprengen zu erklären, wie du die Dialyse beendest. Darum beschreibe ich den Vorgang ab dem Zeitpunkt, wenn beide Dialyseschläuche entfernt sind. Du reinigst die Katheterschenkel gründlichen vom Blut mit den getränkten Kompressen. Denke auch wieder an die NON-TOUCH-Technik.

 

Dann spülst du beide Schenkel mit den 30ml NaCl-Spritzen. So kannst du möglichst viel Blut aus dem Katheter entfernen. Danach spritzt du die vorbereiteten Heparin- oder Citratlösung in den Katheter. So blockst du ihn, um einen Verschluss zu vermeiden. Im Anschluss schraubst du beide Verschlusskappen auf die Enden und verpackst alles ordentlich. Ich habe mir dazu „Einmal-Verbandtaschen“ verschreiben lassen, wie sie zum Beispiel die Firma Opercat anbietet. Diese Taschen haben den Vorteil, dass sie sich richtig gut befestigen lassen, wenig Kleberrückstände hinterlassen und der Demerskatheter optimal geschützt ist.

 

Demerskatheter + Heimdialyse = große Verantwortung!

Wie ich eingangs erwähnt habe, liegt der Katheter im rechten Vorhof. Das Risiko einer Infektion ist deshalb unbedingt zu vermeiden und eben auch keine Kleinigkeit. Meine Nephrologin war wenig begeistert und eigentlich auch dagegen, dass wir damit die Heimdialyse fortführten. Da mein Mann und ich uns 110% sicher waren und auch schon einige Jahre Erfahrungen mit der Heimdialyse hatten, entschieden wir uns trotzdem dafür. Wir ließen uns das ganze Procedere einmal zeigen und machten es dann einfach. Wir achteten penibel genau auf die Hygienemaßnahmen. Unser Desinfektionsmittelverbrauch stieg in dieser Zeit enorm.

Ich würde jederzeit wieder die Heimdialyse mit Demerskatheter durchführen. Für mich ist der Gewinn der Heimdialyse so viel größer, dass ich es in Kauf nehme noch penibler und noch genauer zu sein. Jeder einzelnen muss aber zusammen mit seinem Nephrologen abschätzen, ob er das Risiko auf sich nehmen will.

 

Das normale Leben mit einem Demerskatheter

Es gab einige Problem die mir der Katheter bereitete. Aufgrund seiner Lage konnte ich keine normalen Bh´s mehr tragen. Ich bin also zu Palmers und habe mich dort beraten lassen. Natürlich war die Verkäuferin erst etwas erschrocken, als ich ihr die Lage aber erklärt habe, hat sie mich bestens beraten. Ich habe mir ganz weiche Baumwoll Bh´s ohne Bügel mit ein bisschen Lyocell gegönnt. Zugegeben sie waren nicht ganz billig, aber das war es mir wert und der Demerskatheter hat wunderbar Platz gefunden.

Auch Beifahrer zu sein war nicht mehr ganz so lustig. Der Anschnallgurt lag direkt auf dem Katheter. Die Ärzte hatten mir zwar versichert, dass dies nichts ausmacht, unangenehm war es aber trotzdem.

 

Zu doof zum Duschen

An den Demerskatheter darf natürlich kein Wasser. Darum gibt es die Möglichkeit Duschpflaster darüber zu kleben und dann duschen zu gehen. Ich und mein Mann haben alles gegeben um dieses Pflaster dicht über den Katheter zu bekommen. Haben aber versagt, war nach dem Duschen trotzdem nass. Also ging ich nicht mehr duschen. Keine Sorge ich habe Wege gefunden mich trotzdem sauber und gut zu fühlen.  Das erste Mal Duschen nachdem der Demerskatheter entfernt war, war allerdings himmlisch.

 

Mehrere Verschlüsse

Auch mit dem Demerskatheter hatte ich leider mehrere Verschlüsse. In dem Fall musste ich dann nicht operiert werden, brauchte aber einiges an Geduld. Die ersten paar Mal fuhr ich noch in das Dialysezentrum um den Verschluss beseitigen lassen, später durften wir es selbst daheim machen.

Wenn der Katheter verschlossen ist, versucht man trotzdem noch die Lockflüssigkeit zu entfernen. Dies funktioniert mehr schlecht als recht, ist dann aber auch nicht zu ändern. Dann spritzt man ein „Gerinnsel auflösendes“ Medikament in den Katheter. Das ist die einfachste Form den Verschluss zu beseitigen. Nach der Medikamentengabe musste ich meist ein bis zwei Stunden warten. Konnte ich dann durch den Katheter wieder Blut aspirieren, war der Verschluss entfernt und ich konnte die Dialyse wieder ganz normal starten.

Als ich zwei Wochen nach der Nierenlebendspende den Katheter endlich los war, hätte ich Jubeltänze aufführen können.

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